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Wild im Wald unterwegs

18 Januar, 2018 von Kia Reichert 0

Der Tod kam am Weihnachtstag

Im Hochschwarzwald rund um St. Blasien ist er eine Legende: Der Wilderer Lochheiri hat hier im 19. Jahrhundert gelebt und viele Spuren hinterlassen.
 
Heinrich «Heiri» Isele aus Blasiwald-Loch, den man in der Gegend auch als «Lochheiri» kannte, arbeitete als Landwirt und Holzhändler, zudem besaß er sein eigenes Jagdgebiet im Schönenbacher Wald. Der Holzhandel lief jedoch schlecht und in seinem Revier gab es kaum noch Wild. So fing er an, verbotenerweise in den Wäldern bei St. Blasien zu jagen und das Wildbret an die umliegenden Gasthäuser zu verkaufen. Auf diese Weise verdiente er genug Geld, um seine Frau und die 14 Kinder ernähren zu können.
In seinem Heimatort wussten viele, dass der Lochheiri wilderte. Doch er galt als streitsüchtig und gefährlich, sodass ihn keiner darauf ansprechen wollte, geschweige denn, dass ihn jemand an die Behörden verraten hätte. Schließlich hatte er schon einmal gezeigt, wozu er in seiner Wut fähig war: Weil seine Geschäfte nicht gut liefen, haderte er so sehr mit Gott, dass er mit einem Ochsengespann die örtliche Hofkapelle eine Böschung hinabzog. Mit dieser Tat verärgerte er viele der gläubigen Bauern, doch der Lochheiri scherte sich wenig um ihre Meinung. Offenbar nutzte er jede Gelegenheit zur Jagd in den verbotenen Wäldern. War Schnee gefallen, griff der Lochheiri zu einem Trick, damit seine Spuren ihn nicht verraten konnten: Er nagelte die Sohle an seinen Stiefeln verkehrt herum an und verwirrte damit seine Verfolger.
 
So konnte er fast zwei Jahrzehnte lang wildern, ohne je erwischt zu werden. Doch sein Glück verließ ihn am 26. Dezember 1867. An diesem kalten Tag waren die beiden Wildhüter Josef Nägele aus Aha und Josef Böhler aus St. Blasien bereits seit dem Morgengrauen in den Wäldern rund um Blasiwald auf der Jagd nach Wilderern. Gegen 16 Uhr erreichten sie den Eschenberg. Ihre Schritte waren inzwischen schwer geworden und sie froren, als sie plötzlich an einer Tanne ein ausgenommenes Reh entdeckten. Sofort gingen die Wildhüter in Deckung, doch von dem Täter war weit und breit nichts zu sehen. Die beiden beschlossen zu warten, bis der Wilderer zu seiner Beute zurückkehren würde. Die Minuten verstrichen langsam in der Stille des Waldes. Trotz der hereinbrechenden Dämmerung verharrten die Männer fast eine Stunde lang regungslos in ­ihrem Versteck. Dann war die Kälte nicht mehr auszuhalten, und, um sich etwas aufzuwärmen, begannen beide, auf der Stelle zu hüpfen. Plötzlich krachten zwei Schüsse durchs Geäst, Josef Nägele fiel getroffen zu Boden, er blutete aus verschiedenen Wunden an der Brust und am Arm, lebte aber noch und rief Böhler zu Hilfe. Der Angreifer blieb zwar in seinem Hinterhalt, dennoch konnten ihn die beiden Wildhüter erkennen: Es war der Lochheiri. Der verletzte Nägele riss seine Büchse mit der Kraft der Verzweiflung hoch und feuerte mehrmals ins dichte Grün. Auch Böhler legte an, und zusammen erwischten sie den Wilderer, der getroffen zu Boden sank. Nägele näherte sich langsam der reglosen Gestalt und machte kurzen Prozess, indem er dem Gesetzlosen eine Ladung Schrot ins Genick und in den Rücken schoss.
Böhler brachte den verletzten Nägele zurück ins Dorf Aha, wo seine Wunden im Forstwarthaus versorgt wurden. Als sie verheilt waren, mussten sich beide vor Gericht für den Tod des Lochheiri verantworten. Das Justiz­ministerium erkannte an, dass beide in Notwehr gehandelt hatten und sorgte dafür, dass von einer Verurteilung Abstand genommen wurde.
Zwar ist Heinrich Isele an jenem kalten Weihnachtstag in den Wäldern gestorben, doch die Legende des Gesetzlosen Lochheiri lebt bis heute im Hochschwarzwald weiter. Neugierige Besucher finden rund um St. Blasien immer noch Spuren des berühmten Wilderers.
 
Eine eindrucksvolle Holzstatue des Wilderers schmückt das Gasthaus «Zum Lochheiri» in Schluchsee-Blasiwald
 Der Wilderer Lochheiri


Das legendäre Leben und unrühmliche Ende des Wilderers Lochheiri


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