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Wolf im Schnee

18 Januar, 2018 von Kia Reichert 0

Zwischen Liebe und Hass

Für die einen ist er ein heroischer Jäger mit einem festen Platz im deutschen Ökosystem, für die anderen bloß ein hinterhältiger Räuber, der auf deutschem Boden nichts zu suchen hat. Doch die Rückkehr des Wolfes scheint unaufhaltsam zu sein, denn in Deutschland leben bereits wieder rund 130 erwachsene Tiere – und es werden immer mehr!
Wenn man in den tief verschneiten dunklen Wäldern des Schwarzwalds spazieren geht, kann man sich nur zu gut vorstellen, wie zwischen tiefhängenden Tannenästen plötzlich zwei gelbe Augen aufleuchten und sich immer deutlicher ein stattlicher Wolf vom Unterholz abhebt.
Aber noch ist der Schwarzwald «nur» Wolfs­erwartungsland. Das heißt zwar, dass davon auszugehen ist, dass sich Wölfe hier in naher Zukunft ansiedeln werden. Doch noch lebt keines der Raubtiere im Schwarzwald. Eigentlich erstaunlich, denn schließlich bietet gerade das im Juni 2017 von der UNESCO anerkannte Biosphärenreservat im Südschwarzwald optimale Voraussetzungen. Der kurzen Euphorie von Anfang 2017, als man in der Nähe von Bad Dürrheim im Schwarzwald-Baar-Kreis wenigstens einen einzelnen Wolf sichtete, folgte die Ernüchterung, als man das Tier am 7. Juli tot im Schluchsee fand. Die Obduktion deckte auf, dass es erschossen worden war. Immerhin konnte man seine Herkunft klären: Der unter dem Kennzeichen GW 630 M registrierte Wolf war einer von drei Welpen aus der Gegend von Schneverdingen in Niedersachsen. Ehe er in den Schwarzwald wanderte, war er bereits bei Überlingen im Bodenseekreis gesehen worden. Hier war es die erste Sichtung seit 150 Jahren, was bereits als Sensation empfunden wurde.
 
Ein Verstoßener kehrt heim
Seit mehr als hundert Jahren galt der Wolf in Deutsch­land als ausgestorben. Erst ab den frühen 2000er Jahren begannen erste Rudel, Deutschland von Polen und den Alpenländern aus wieder zu besiedeln. Momentan leben die meisten Tiere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Doch Wölfe wandern gern und weit, Strecken von 70 Kilometern an einem Tag sind keine Seltenheit. Das macht es natürlich schwierig vorauszusagen, wo sie sich tatsächlich ansiedeln werden. Allzu viele ­Spuren hinterlassen die menschenscheuen ­Tiere sowieso nicht.
 
«Problemwölfe» schaden dem Image
Seit es wieder Wölfe in Deutschland gibt, ist immer wieder auch von sogenannten Problemwölfen die Rede: Tiere, die keine Scheu vor Menschen zeigen und sich – ganz untypisch – in seine Nähe wagen. Gerade diese Einzelfälle, bei denen übrigens niemand zu Schaden kam, sorgen für Schreckensmeldungen in den Medien und zeichnen ein verzerrtes Bild. Ein Grund für ungewohnte Annäherungen könnte die Fütterung durch Menschen gewesen sein, denn auch die grauen Jäger schätzen Futter, an das sie ohne Anstrengung gelangen. Wölfe sind Raubtiere und suchen instinktiv leichte Beute. Problematisch wird es, wenn sie sich anstatt in der freien Natur auf Weiden und Koppeln bedienen. Landwirte und Schafhirten haben nachweislich Schäden durch Wölfe erlitten. Meistens wurden Schafe oder Ziegen gerissen.
Sämtliche Experten halten jedoch Angriffe von Wölfen auf Menschen für höchst unwahrscheinlich. Im Normalfall meiden Wölfe die Nähe von Menschen, die sie als natürliche Gefahr einstufen. Doch trotz ihrer Scheu lassen sich unerwartete Wolfsbegegnungen nicht ausschließen. Für den Fall einer Begegnung empfiehlt der Naturschutzbund ruhig zu bleiben, das Tier zu beobachten und sich langsam zurückzuziehen. Wenn man sich nicht wohlfühlt, kann man sich aufrichten, laut klatschen oder rufen und so das Tier vertreiben. Wer einen Hund dabei hat, sollte diesen unbedingt anleinen und nahe bei sich halten, da Wölfe Hunde als Konkurrenten oder Paarungspartner ansehen können. Eine Wolfsbegegnung kann man bei dem zuständigen Wolfsberater oder Landratsamt melden, den richtigen Ansprechpartner erfährt man über das Umweltministerium oder die Naturschutzbehörde.
 
Verständnis für beide Seiten
Der gewaltsame Tod des «Wolfs von Schluchsee» ist leider kein Einzelfall. Man findet immer wieder die Kadaver von erschossenen Wölfen, die dann aufwändig obduziert werden, um Hinweise auf die Täter zu finden. Denn sie stehen unter Artenschutz und wer sie vorsätzlich tötet oder verletzt, riskiert bis zu fünf Jahre Gefängnis. Der Wolf ist auch ein Hoffnungsträger, seine Rückkehr markiert einen Umschwung in der Beziehung zur Natur. Naturschützer erhoffen sich durch ihn eine bessere Balance, da er alte und schwache Tiere effizient aussortiert. Auf der anderen Seite müssen Nutztiere wirkungsvoll geschützt werden. Die Bundesländer haben daher ein gemeinsames Wolfsmanagement eingerichtet, das die Interessen aller Seiten berücksichtigen soll.
Wenn die Menschen bereit sind, können sie Seite an Seite mit dem Wolf leben und ihn in seiner alten Heimat willkommen heißen. «Isegrim» wird sich nach und nach auch den Schwarzwald zurückerobern – es ist nur eine Frage der Zeit, bis man in kalten Winternächten das einsame Heulen der Wölfe auch am Schluchsee hören wird.
 
Wolfspfad in Höchenschwand
 
Der Pfad ist perfekt für Familien mit Kindern, um gemeinsam das Leben der Wölfe zu er­forschen, denn er bietet verschiedene Stationen zum Entdecken und Ausprobieren. So lernen die Besucher unter anderem den Speisezettel und die Gefahren für Wölfe im Schwarzwald kennen und sehen hautnah, wie schnell ein Wolf im Vergleich zu einem Menschen ist. Der Pfad schlängelt sich auf etwa vier Kilometern durch den Wald bei Höchenschwand, ist frei zugänglich, immer geöffnet und kann bei ­jedem Wetter erforscht werden. Diesen und weitere Wolfswege finden Sie unter ferien-suedschwarzwald.de


Kaum ein anderes Tier löst so widerstreitende Gefühle aus, wie der Wolf


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